Design & Praxis

Gestaltung von morgen - Automatisierung Zukunft von Design und Kreativität

09.07.2019

gestaltung

Fast jede Branche hat die Vorteile der Automatisierung erkannt. Ob in der Fertigung, im Einzelhandel oder sogar im Gesundheitswesen – viele körperlich anstrengende, gefährliche oder auch langweilige Aufgaben können heute schnell und oft mit weniger Fehlern von einer Maschine erledigt werden. Wie verhält es sich aber bei Kreativprozessen?
Jim Bull

Diskussion im Forum

In den kreativen Branchen haben diverse Technologien die Menschen während der ersten Zeit ihrer Einführung immer bis zu einem gewissen Grad eingeschüchtert. Als der Synthesizer zum ersten Mal auftauchte, gab es eine Flut von Spott und Hohn. Die Musik, die gemacht wurde, sei nur noch per Tastendruck von jemandem geschaf-fen. Auch die Anfänge des Desktop-Publishing wurden mit gleichem Widerstand gesehen. Und in ihren frühen Tagen galt die Druckmaschine als Herausforderung für die bisherige Arbeitsweise.
Das Experimentieren mit Technologie war jedoch schon immer ein grosser Teil unseres Ethos bei Moving Brands. Seit der Gründung des Unternehmens vor 20 Jahren haben wir ständig neue Technologien, Medien und Materialien zur Weiterentwicklung unserer Arbeit eingesetzt – und wir sehen maschinelles Lernen und künstliche Intel-ligenz (neben Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality) als Teil der neuen Auswahl an Werkzeugen für unsere Arbeit.Automatisierung war schon immer Teil dessen, was wir tun. Sie ist hier, um zu bleiben, ihre Natur hat sich nur gerade wieder einmal verändert.

Kann auch Kreativität automatisiert werden?

Obwohl die Automatisierung von vielen Berufen weitgehend begrüsst wird, scheint die grafische Industrie eine Mauer des Widerstandes errichtet zu haben. Viele De-signer halten an der Vorstellung fest, dass Kreativität nur durch einen Menschen entstehen kann, dass Maschinen den Sprung in den kreativen Prozess nicht schaffen können und dass die Kreativität des Menschen nicht mechanisiert werden kann.
Diese Zurückhaltung ist verständlich: Die Zweifel an der Automatisierung sind oft darauf zurückzuführen, dass sie Arbeitsplätze vernichten könnte, wie wir es in anderen Sektoren gesehen haben. Am extremsten Ende des Spektrums haben einige Designer Angst, dass Computer eines Tages nicht nur die Entwürfe eines Designers liefern, sondern sie sogar von Grund auf neu erstellen könnten. Wo würde der Platz eines Designers in einer Welt liegen, in der das möglich ist?
Die Idee, dass Computer mit originellen Ideen aufwarten können, ist weit hergeholt, aber nicht unplausibel. Schliesslich ist des Designers Fähigkeit zu kreieren nicht nur vom Bauchgefühl oder von der «Vision» abhängig. Es gibt ein Element der Erfahrung und des Wissens, was vorher funktioniert hat, auch auf unterbewusster Ebene. In jedem guten Erzählprozess gibt es eine Erkennung von Mustern, einen Handlungsbogen, der fesselnd und überzeugend ist. Was wäre, wenn eine Maschine den wahr-scheinlichen Erfolg dieser Geschichte erkennen könnte, aber lernen würde, die spezifischen Attribute zufällig einzusetzen, um sie so einzigartig zu machen?

Das klingt für mich nach der Schaffung von etwas Neuem durch eine Maschine. Es klingt auch nach dem gleichen Prozess, den die meisten Kreativen durchlaufen. Vielleicht kann das, was menschliche Kreative tun, von Maschinen gemacht werden?

Die Automatisierung ist bereits in der ­Designwelt angekommen

Wem das zu futuristisch klingt, der betrachte die Automatisierung, die bereits in der grafischen Industrie stattfindet. Wir nutzen bestehende und erfinden ständig neue Tools, um alle Arten von schwierigen Problemen zu lösen, wie z. B. File-Sharing, Zusammenarbeit bei Arbeitsdateien oder die Versionierungsprozesse innerhalb der Gestaltung.Wenn wir noch weiter zurückblicken, haben Künstler immer Assistenten eingestellt, um die Produktivität zu ­beschleunigen, aber wir führen die Urheberschaft im ­Allgemeinen auf die Arbeit des Einzelnen zurück. Andy Warhol zum Beispiel nutzte den Siebdruck und eine Armee von Helfern, um einer der produktivsten Künstler des 20. Jahrhunderts zu werden – doch seine «Fliessbandpraktiken» beeinträchtigen seinen künstlerischen Wert nicht.

Künstliche Intelligenz (KI) als positiver Einfluss auf die Umwelt

Natürlich geht es bei der Kreativität nicht nur darum, etwas zu produzieren, das man sich ansehen, kaufen oder das unser Leben leichter machen kann. Designer sind ­massgeblich an der Lösung einiger der komplexesten Herausforderungen der Welt beteiligt – insbesondere an ökologischen, sozialen oder politischen Fragen.

Ich behaupte, dass die KI bisher hauptsächlich in Gebieten eingesetzt wurde, in denen sie Geld für Menschen generieren kann. Diese Gebiete werden von den Reichen und Mächtigen bespielt und vorangetrieben. Man kann sich heutzutage bereits vorstellen, wie die Automatisierung uns noch weiter begeistern wird, ob beim Transport, beim Essen oder in der Unterhaltung.

Wenn wir die Angst vor der Einführung neuer Technologien abbauen, könnte dies der Schlüssel zum Stoppen und sogar zum Umkehren des Klimawandels sein. Ich stelle mir eine KI vor, die Ihr Design auf seine Umweltauswirkungen überprüft und alternative Materialien oder Fertigungstechniken vorschlägt und so Ihre Wirkungsgrade verbessert.

Die Logik der Maschinen gegenüber dem Mitgefühl der Menschen

Dies entzündet dann eine weitere Diskussion: Die Logik und das Lernen der KI können von ihren menschlichen Überwachern gesteuert und reduziert werden. Nehmen wir als Beispiel wieder den Klimawandel. Wenn alle Daten, Statistiken und Informationen in eine Maschine gepumpt würden, könnte sie die folgende Lösung hervorbringen: Verbiete zwei Generationen das Recht, Kinder zu kriegen, denn die Ausbreitung der Menschen auf der ganzen Welt muss gestoppt werden. Dies so lange, bis wir uns besser benehmen. Logisch, oder? Ausgewogen und rücksichtsvoll? Eher nicht. Maschinen sind in der Lage, riesige Datenmengen zu verarbeiten, aber sie scheinen Mühe zu haben, Gefühle wie Humor, Witz oder Traurigkeit zu erfassen.

Das Verständnis von Kultur, das Wissen, wie man Emotionen hervorruft, ein Auge für Ästhetik, die Verknüpfung von Design mit Strategie oder das Verstehen der Nuancen von Form und Farbe können nur schwer anderen Menschen vermittelt werden. Noch schwieriger ist die Vermittlung dieses Verständnisses an eine Maschine.

Entsprechend können die Skeptiker beruhigt feststellen, dass künstliche Intuition eines Computers dem Bewusstsein des Menschen nahekommen kann, sich aber noch immer von unseren eigenen Denkmustern unterscheidet.

Unterstützung, Recherche und Informationsbeschaffung

Wir können heute in zahlreichen ­Haushalten die wohl bekannteste Form der KI finden. Geräte wie Google Home, Amazon’s Alexa oder Apple’s Siri sind Iterationen der Automatisierung im Taschenformat und ermöglichen es uns, Bücher zu bestellen, uns an Jubiläen zu erinnern und die lange quälende, bisher unbeantwortete Frage ohne Knopfdruck zu klären, indem wir einfach laut fragen.

Diese relativ neuen Formen der autonomen Technologie sind, obwohl sie die Meinungen spalten, unglaubliche Ressourcen zur Informationsbeschaffung und eignen sich zur Überprüfung von Fakten. Bei Kreativität geht es nicht nur darum, Linien zu ziehen und Markierungen zu setzen. Die vorhergehende Arbeit, bevor etwas gezeichnet oder vorgestellt wird, beinhaltet viel Strategie, Forschung und Reflexion. Für einen ­Designer bedeutet es eine enorme Zeitersparnis, eine Unterstützung zur gründlichen Recherche zu haben. Die KI zur Beantwortung der eigenen Fragen sollte als positive Unterstützung angesehen werden und nicht als etwas, das die Oberhand gewinnen oder dominieren wird.

Die Zukunftsaussichten

Ich frage mich, ob es eine Verschiebung von der Frage-und-Antwort-Technologie zu etwas geben wird, das antizipieren und Vorschläge bringen kann. Man stelle sich eine Datenbank mit allen Erfahrungen, Geschichten, Tatsachen und Ideologien vor – dies geht auf meine vorherige Argumentation über das Erkennen von Mustern zurück. Wenn wir davon ausgehen, dass alles – alle Daten – verbunden ist, kann man auch vorhersagen, was als Nächstes passieren wird.

Maschinen können eines Tages in der Lage sein, Vorerfahrungen für jedes Vorhaben anzubieten, sei es ein Vorstellungs­gespräch, einen Urlaub oder sogar eine ­Beziehung. Aus industrieller Sicht könnte dies Auswirkungen auf die Finanzplanung, Innovationen in der Medizin oder die Entdeckung neuer Materialien haben: Die Zukunft wird auf Basis von Datensätzen vorhergesagt. Die Verwendung dieser Technologie in der Gestaltung könnte zu viel mehr Kompetenz und Vertrauen in die tatsächlichen Auswirkungen unserer kreativen Ideen führen.

Scheinbarer Kontrollverlust und der ­Antrieb für die extreme Rechte, Politik, Zensur und Angst

Umgekehrt ist eine der grössten Bedrohungen für die Automatisierung und die neuen Technologien die Unfähigkeit einer grossen Anzahl von Menschen, ihre positiven Auswirkungen auf die Welt zu schätzen. In ähnlicher Weise wie die Welt einen Aufschwung in der Politik der extremen Rechten erlebt, könnte die Technologie dank ihrer isolierten Perspektiven und der Zunahme der Angst als Teil des «Andersseins» wahrgenommen werden. Veränderung und Fortschritt, auch für eine offen positivere Sache, könnten mit Skepsis und der Vorstellung, dass sie zu einem Verlust des Humanismus beitragen, behaftet sein.

Es wird immer Leute geben, die Angst vor «Neuheit» und Automatisierung haben, und KI könnte durchaus als Bedrohung wahrgenommen werden sowie zu einem unerschöpflichen Treibstoff für diejenigen werden, die sie für politische Zwecke ­nutzen wollen.

Automatisierung ist so komplex wie die Menschheit

Der Durchbruch der KI hat nicht so schnell stattgefunden, wie ich erwartet hätte. Das könnte an der oben genannten Angst liegen, aber auch vielleicht daran, dass Maschinen nur so gut sind wie die Menschen, die sie benutzen.

Es sollte für diejenigen, die sich Sorgen um diese Dinge machen, beruhigend sein, zu wissen, dass die überwiegende Mehrheit der KI bereits kontrolliert wird und vom Menschen abgeschaltet werden kann. Denken Sie an den KI-Twitter-Bot, der entwickelt wurde, um auf andere Menschen zu reagieren: Nach drei Tagen rassistischer, homophober und allgemein schrecklicher Beiträge aus der breiten Öffentlichkeit wurde er schnell abgeschaltet. Designer ziehen immer noch die Hebel bei dieser Art von Technologie.

Letztlich sehen die optimistischeren ­Stim­men in der Branche, zu denen auch ich selbst gehöre, Automatisierung als eine Möglichkeit, Kreativität zu fördern, anstatt einfach nur Fähigkeiten überflüssig zu ­machen. Wir sehen KI als Beitrag für eine ­Zukunft, in der Designer mehr Zeit haben, kreativ zu sein. Dadurch brauchen sie ­weniger Zeit, die sich wiederholenden und zeitaufwendigen Aufgaben des Designs abzuarbeiten. So sollen Designer KI und VR nutzen und sie einsetzen, um eine aufregende und immersive Kreativität zu entwickeln, um Marken aufzubauen, unsere Städte zu bauen und unser Leben zu verbessern.

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Diskussion im Forum

Autor / Quelle: Jim Bull / Publisher
Thema: Automatisierung der Zukunft von Design und Kreativität

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Veranstaltungen
21.08.2019

Affinity Photo, Affinity Designer und Affinity Publisher

Schulungsraum von pre2media – Dammstrasse 8, 8610 Uster
Mittwoch, 21. Aug. 2019, 09.00 - 17.00 Uhr

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Alle reden davon – wir zeigen ihnen kompakt was in den einzelnen ­Programmen wirklich steckt. Sind die Programme von Affinity – bereits heute – eine Alternative zu den Adobe-Programmen? Was versteht ­Affinity unter StudioLink und der vollständigen Integration der Affinity-Apps. Sie können jedes Affinity-Referat einzeln buchen. Oder alle drei Referate zusammen, bequem an einem Tag.

Mittwoch, 21. August 2019
9.00 bis 11.00 Affinity Photo Bildbearbeitung CHF 90.00
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Diese Referate werden auch noch am Fr. 13. September und am Di. 22. Oktober 2019 durchgeführt.

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Organisator: Impressed GmbH

Kontaktinformation: Detlef Grimm, E-Mailschulungen AT impressed DOT de

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