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Farbe rein, Farbe raus: Das neue Farbmanagement in QuarkXPress 7

Ein Artikel von Georg Obermayr (www.georgobermayr.de)

Mit der Einführung von QuarkXPress 7 kommt für viele ein Thema auf den Tisch, dass bislang oftmals ausgeklammert wurde: Farbmanagement im Layoutprogramm.
Denn in QuarkXPress 7 ist das Farbmanagement immer “eingeschaltet”.

In diesem Artikel versuche ich, die Philosophie hinter dem Farbmanagement-System von QuarkXPress verständlich zu machen und ein paar Fallstricke aufzuzeigen, die bei der unbedachten Übernahme von Daten entstehen können.

Quelle und Ausgabe
Die Voreinstellungen für CMS sind unterteilt in Einstellungen für Quellen (alles was in QuarkXPress reinkommt, hauptsächlich also Bilddateien) und Ausgabe (alles was aus QuarkXPress ausgegeben wird, z.B. PDF, Druck oder als Softproof). Dazu kommen noch ein paar Voreinstellungen in den normalen QuarkXPress Preferences.

Quellen-Einstellungen: Für die einzelnen Farbmodi RGB, CMYK, Lab und Graustufen lässt sich jeweils ein Standard-Profil definieren, dass ganze noch unterteilt in Normal- (also die benannten Farben im Layout) und Bildfarben (also importierte Bilddaten). Zusätzlich dazu lässt sich für jedes Profil auch der Standard Rendering Intent (die Umwandlungspriorität) einstellen.

Eine kleine Option hat es in sich: "Farbmanagement von CMYK-Quellen für CMYK-Zielgeräte" (analog in den anderen Farbmodi): Dadurch wird bewirkt, dass jede platzierte Bilddatei, die ein anderes Farbprofil aufweist, als in den Standardeinstellungen definiert, bei der Ausgabe neu in das Standardprofil konvertiert wird. Ein Beispiel: In einem Nachdruck eines alten Prospektes sind einige alte Bilder im Profil Eurostandard Coated platziert und einige neue im ISOCoated Farbraum, der auch die Standard-Einstellung darstellt. Ist diese Option aktiviert, werden bei der Ausgabe in ein ISOCoated PDF/X nun alle Bilder im Eurostandard Farbraum neu nach ISOCoated separiert. Das bedeutet einerseits eine Konsolidierung des Datenbestandes, andererseits verändern sich durch die Neuseparation natürlich auch die Farbwerte, was evtl. nicht immer gewünscht ist, oder bewusst wahrgenommen wird.

Ausgabe-Einstellungen: Durch die Quellen-Einstellungen wird definiert wie eingehende Daten im Layout charakterisiert werden. Die Ausgabeeinstellungen bestimmen nun, wie diese Daten ausgegeben werden sollen. Grundsätzlich wird zwischen der Ausgabe als Separation und in Composite unterschieden. Da in modernen Workflows eigentlich nur noch die Composite Ausgabe von Belang ist, gehe ich hier auch nur auf sie hier weiter ein: Es gibt vier Ausgabe-Modi: Graustufen (RGB, CMYK, Lab wird sw), RGB (CMYK wird RGB, jedoch ist eine Ausgabe auf Basis eines CMYK-Proofs möglich), CMYK (RGB wird zu CMYK, Volltonfarben können bei Bedarf in CMYK aufgelöst werden), AsIs (Bilder bleiben in ihren ursprünglichen Farbmodi und werden nicht neu konvertiert, dazu später mehr), DeviceN (Das Dokument wird im DeviceN Modus aufgebaut, was besonders bei bestehenden Duplexbildern und Sonderfarbenverläufen notwendig sein kann).

Das Profil, welches in diesem Dialog definiert ist, wird bei der Ausgabe in PDF/X übrigens zum OutputIntent.

Über Ansicht -> Ausgabe-Proof kann zwischen den verschiedenen Ausgabe-Einstellungen umgeschaltet werden, so dass z.B. schnell gesehen werden kann, wie sich ein Bild in einem anderen Druckverfahren oder z.B. in SW verhält.
Die Ausgabe-Einstellungen können dann auch bei der Ausgabe (Drucker, PDF, PostScript, EPS) im Menüpunkt Farbe nochmals separat geändert werden.

Dokument-Voreinstellungen: In den Voreinstellungen von QuarkXPress werden die grundsätzlichen Vorgaben für das CMS definiert: Farbmanagement-Modul, welche Quellen- und Ausgabe-Einstellungen als Standard wirksam werden, Rendering Intent, Zugriff auf Bildprofile erlauben, Farbmanagement von importierten Vektordaten.

Als CMM empfehle ich die LogoSync, sie ist die einzige die eine Tiefenkompensierung beherrscht, und ist plattformübergreifend verfügbar. Außerdem habe ich in Tests festgestellt, dass die Konvertierungsunterschiede im Vergleich zur Adobe CMM sehr gering sind: Durchschnittlicher Delta E 1.25, maximal 9.25 (vor allem in den Tiefen), Evaluierung mit ColorLab auf Basis des RGBExplorers v8. Rein optisch scheint die LogoSync sogar in einigen Bereichen glättere und homogenere Abstufungen zu erreichen als die Photoshop Umsetzung.

Mit der Option „Zugriff auf Bildprofile“ kann die Quelleneinstellung (also zugewiesenes Profil + Rendering Intent + Farbmanagement für ... Quellen für ... Zielgeräte) nochmals separat beim Bildimport gesetzt werden um für einzelne Bilder andere Regeln zu definieren, die vom Standard abweichen. Bilder mit anderen Profilen als die Standard-Einstellung, werden aber auch ohne diese Vorgabe trotzdem honoriert.

Inwiefern das Farbmanagement von Vektor-Illustrationen sinnvoll ist, hängt stark vom jeweiligen Workflow ab, i. d. R. werde heute Farben in Vektorgrafiken ja bereits im entsprechenden Ausgabefarbraum angelegt, so dass hier nur noch einfaches DeviceCMYK zu handeln ist.

Die Quell- und Ausgabe-Einstellungen können zwar in den Vorgaben definiert werden, jedoch ist es auch möglich über Job Jackets eigene Sets einzusteuern. Über dieses mächtige Feature ein anderes Mal mehr.


Was macht also QuarkXPress mit meinen Bildern und wie wirken die Einstellungen zusammen?

Im Prinzip wurde oben bereits grob die Funktionsweise von Farbmanagement in QuarkXPress beschrieben. Trotzdem ist es wichtig zu sehen wie die einzelnen Einstellungen zusammenwirken und was manch kleine Veränderung schon bewirken kann. Dazu zur Illustration eine Grafik als PDF:

Link zum File...

In der Grafik wird als Quelleneinstellung ISOCoated und ECI-RGB verwendet. Die Ausgabe erfolgt in Composite in den Farbraum ISOCoated. Dazu wird jeweils der Fall durchgespielt, dass ISOCoated direkt im Layout platziert wird und einmal ein CMYK-Farbraum der sich von der Standard-Einstellung unterscheidet, hierfür einmal mit der Option "Farbmanagement für CMYK-Quellen für CMYK-Zielgeräte" aktiviert und einmal deaktiviert.

Auch wenn es auf den ersten Blick komplizierter ausschauen mag: Es ist im Prinzip nichts anderes als der bekannte Weg von Farbquelle (RGB, CMYK o.ä.) zu Farbziel (CMYK, RGB o.ä.). Den Weg dorthin definieren der Rendering Intent (Perzeptiv, Farbmetrisch ...) und die Farbvoreinstellungen (WIE komme ich von A nach B?).


Was ist bei der Einführung von QuarkXPress 7 zu beachten?

Im Großen und Ganzen funktioniert das Farbmanagement von QuarkXPress 7 zuverlässig und vorhersehbar - sobald man sich mit der dahinter stehenden Terminologie vertraut gemacht hat.

Vielleicht wird es nicht jedem Anwender gefallen, dass CMS immer "an" ist. Das liegt aber sicher nicht daran, dass sich QuarkXPress 7 irgendwo seltsam oder fehlerhaft verhält, sondern mehr an einer gewissen Berührungsangst mit der Technologie selbst.
Grundsätzlich erhöht sich aber die Notwendigkeit einer sauberen und strukturierten Arbeitsvorbereitung mit einer systematischen und überlegten Profilvergabe. Das "herumwursteln" mit verschiedensten Quellfarbräumen kann nämlich schnell ins Auge gehen, wenn man sich nicht darüber im klaren ist, wie und in welcher Art und Weise die Bilder später ausgegeben werden.
Deshalb ist es unbedingt notwendig bei der Definition des CM-Workflows, alle Komponenten sauber einzutesten und die resultierenden Ergebnisse genauestens zu verifizieren.

Von Quark wäre zu wünschen, dass in zukünftigen Versionen von QuarkXPress, Voreinstellungen für Industrie-Standards (ProzessStandard usw.) mitgeliefert werden. Die auch ein Laien ohne zu überlegen benutzt werden können, ohne etwas kaputt zu machen. (Am besten zwei Settings: Farbwerte durchreichen (= heutiger Standard) und alle Farben neu konvertieren (dahin geht evtl. die Entwicklung)
Heute ist es so, dass wenn das Profil "Quark Generic CMYK" als OutputIntent im PDF/X landet, kann man ziemlich sicher sagen, dass der Datenersteller nicht gewusst hat was er tut.

Für manche evtl. nicht uninteressant ist die eingebaute Rückwertskompatibilität in Quark XPress 7: Mit dem mitgelieferten Legacy-Set ist es möglich das Farbverhalten eines alten XPress 4 Dokuments in Version 7 zu simulieren.


Was fehlt noch im Farbmanagement-System von QuarkXPress?

Eine voll ausgestattete Softproofing-Umgebung inkl. Papierweißsimulation, Simulation von schwarzer Druckfarbe und eine Überdruckenvorschau.

Eine PDF-Ausgabe ohne Umwege, die in der Lage ist ICC-Profile nativ zu handeln. Momentan wird bei der Ausgabe in ein medienneutrales PDF (Modus AsIs) von der JAWS Engine zuerst in ein PostScript CSA konvertiert und dann wieder zurück in ein ICC-Profil. Davon abgesehen, dass dieses technische Verfahren mit Vorsicht zu genießen ist, wird dadurch auch noch der Name des Profils komplett verändert, was für den Datenempfänger eine Identifikation der Farbräume nur schwer möglich macht.

Man sollte sich evtl. auch nochmals Gedanken über die Benutzerführung machen. Das ganze erfordert für die Einsteiger nach wie vor zu viel Hintergrundwissen und produziert im täglichen Einsatz damit auch Unsicherheit. Zwingend erforderlich wäre auch eine Online-Hilfe, die eine wirkliche Hilfestellung darstellt, und nicht nur die Menüführung erklärt. Der Ansatz, dass Druckereien und Farbexperten die Settings mittels Job Jackets verteilen ist zwar gut, jedoch besteht die starke Gefahr, dass sich doch zu viele mit den Standards oder mit eigenen, suboptimalen Einstellungen durchschlagen.
Für den Laien ist nur schwer ersichtlich was er tun soll bzw. wo er die Finger weglassen soll.


Meine Vision von Farbmanagement in Layoutprogrammen?


Out of the Box nach anerkannten Industriestandards (ECI-Guidlines, Ghent, ISO-Norm ...) Einfach konfigurierbare Settings und ein durchschaubares Zusammenspiel der einzelnen Komponenten.
Mit QuarkXPress 7 scheint man gar nicht mehr so weit davon entfernt zu sein, zumal sich für die grafische Industrie dadurch komplett neue Workflows ergeben (Dazu evtl. später mehr).

Georg Obermayr, www.georgobermayr.de, 25. Mai 2006

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